Anne-Catherines Sofa

Grund zum Jubeln oder Jammern? Diese Frage stellte Anne-Catherine Simon am Welttag der Philosophie ob des Booms der Philosophie als Lebensberatung in den Raum. Simon selbst scheint Philosophen als Helfer in der Anleitung zum richtigen Leben für nicht geeignet zu halten, wie man sich anhand ihres am 15. November 2012 im Feuilleton der Presse erschienenen Artikel Prechtig praktisch: Die Philosophen-Helfer überzeugen kann. Das ist schade, denn Anne-Catherine Simon könnte bestimmt geholfen werden! Und das ist für die Spottdrossel ein Grund zum Jubeln.

Und Anlass, Anne-Catherine Simon einen launigen offenen Brief zu schreiben:

Liebe Anne-Catherine,

zunächst darf ich Deine so besorgt gestellte Frage, ob es sich bei der Philosophischen Praxis um nervöse Zuckungen einer sterbenden Zunft handelt, negativ beantworten. Ganz im Gegenteil haben sich nämlich in unserem sonst so denkfaulen Land einige philosophische Praktiker und Praktikerinnen zur Gesellschaft der angewandten Philosophie zusammengeschlossen, der auch, aber gewiss nicht nur, lustige philosophische Vögel wie ich angehören. Eines unserer Mitglieder wollte sich nämlich schon bei Deinem Chef über Deinen am 15. November 2012 im Feuilleton der Presse erschienenen Artikel über die Philosophen-Helfer beschweren und zwar ob Deines spöttischen Tones im Allgemeinen und ob der Formulierung selbsternannte Vermittler im Speziellen.

Ein Spottvogel wie ich hat selbstredend gegen eine Prise Schelmerei nichts einzuwenden und ich meine, dass man auch Feuilletonistinnen diesbezüglich ein bisschen Freiheit gönnen sollte. Zudem glaube ich ohnehin nicht, dass allzu viele Leute von Deiner so elegant stabgereimten prechtig praktischen Schlagzeile Notiz genommen haben, geschweige denn von Deiner drolligen Bestandsaufnahme. Denn die Presse liest man schon rein aus ökonomischen Erwägungen allenfalls am Sonntag, sodass eigentlich nichts geschehen ist, außer dass Du Deinen Spaß gehabt hast.

Aber ein bisschen Spaß wirst Du jetzt auch mir gönnen müssen, denn ich finde es nur allzu ulkig, wenn der Germanistin Geigenbogen ein paar muntere Phrasen fiedelt und vorgaukelt, damit auch schon auf der Klaviatur der Philosophie aufgeigen zu können. Richtig niedlich hingegen habe ich Deine Erwähnung vom hochqualitativen Sofa im elegant-asketischen Wohnzimmer unseres Eugen gefunden. Dieses Sofa muss ja mächtig Eindruck auf Dich gemacht haben, wenn Du sogleich die Ära des Sofas ausrufen möchtest. Aber eines lass Dir bitte gleich gesagt sein: Welcher Praxis auch immer Du Dich auf solchen Möbeln hingibst, mit Deiner Ära des Sofas wollen wir ganz gewiss nichts zu tun haben. Denn allzu offensichtlich endet Deine Kenntnis der philosophischen Praxis vor oder spätestens auf einem solchen Sofa!

Selbstverständlich helfen wir Dir gerne, diesem eklatanten Mangel entgegenzuwirken, auch dann wenn nicht gerade zufällig Welttag der Philosophie ist. Inzwischen aber verrate mir bitte, wie es sich anfühlt, als selbsternannte Kritikerin über vermeintlich selbsternannte Vermittler zu befinden.

In sehnsüchtiger Erwartung deiner Antwort verbleibt
Deine Dir stets gewogene Spottdrossel


Anne-Catherine Simon: Prechtig praktisch: Die Philosophen-Helfer:
Prechtig praktisch: Die Philosophen-Helfer

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird niemals weitergegeben.Erforderliche Felder sind mit einem * markiert.